Pädagogische und therapeutische Aspekte

Die Bedeutung von Tieren für die kindliche Entwicklung

Das ursprünglich selbstverständliche Zusammenleben von Menschen mit Haustieren ist in der heutigen Zeit, insbesondere in einem großstädtischen Wohnraum wie z.B. im Bezirk Berlin Kreuzberg, kaum noch gegeben. Die Sehnsucht nach Tieren ist dennoch sehr verbreitet und erscheint ein sehr natürliches Bedürfnis von Kindern zu sein. Der Umstand, dass Kinder heutzutage häufig als Einzelkinder, als Kinder allein erziehender Mütter oder Väter und als Kinder von ganztägig berufstätigen Eltern aufwachsen, erhöht das Bedürfnis nach Geborgenheit, Gesellschaft und Zuwendung. Tiere können dabei helfen, Einsamkeit, Konflikte und mögliche Vernachlässigung leichter zu bewältigen.

Die Begegnung mit den unterschiedlichsten Tieren ist mehr als nur ein Streicheln oder ein Versorgen mit Futter oder Säubern der Ställe; es regt das eigene Verantwortungsbewusstsein, die Fürsorge, das Mitgefühl, die Präsenz und die Liebe zu den Tieren an. In diesen Momenten erfahren die Kinder sich selbst; sie werden sich ihrer eigenen Fähigkeiten nach und nach bewusst, lernen z. B. Rücksichtnahme, Respekt, Toleranz, Dankbarkeit und Hingabe wertzuschätzen. Die Tiere sind wundervolle Wegbegleiter: Sie zeigen sofort mit ihrem Verhalten ihre Befindlichkeiten und ermöglichen es so den Kindern, ihr eigenes Verhalten nicht nur zu reflektieren, sondern auch sehr natürlich zu regulieren und zu ändern. Dieses Lernen geschieht auf einer ganz leichten, stillen und liebevollen Weise, oft erst einmal nur für Momente, doch letztendlich und insbesondere bei Kontinuität sehr nachhaltig. Kinder mit besonders herausforderndem Verhalten können z. B. in Kleinstgruppen und auch unterrichtsbegleitend mit unserem Projekt wertvolle Erfahrungen machen.

Das Einbeziehen unseres gesamten Kollegiums wird notwendig werden, um einerseits eine stabile und homogene Gruppe bilden zu können („erfahrene“ AG Kinder und „unerfahrene“ sollten gemeinsam lernen und wachsen) und anderseits ist es unser Wunsch, die Pädagogen in ihrer Bildungs- und Erziehungsarbeit auch zielgerichtet und geplant zu unterstützen.

Der positive Einfluss von Tieren auf die Entwicklung der Kinder erfolgt nicht automatisch. Besonders Kinder im Grundschulalter wünschen sich häufig ein eigenes Haustier. Kinder in diesem Alter sind bereits in der Lage die Verantwortung für ein Tier zu übernehmen, benötigen aber die Unterstützung durch Erwachsene. Der Umgang mit Tieren fördert die Verantwortlichkeit gegenüber Individuen in einer Welt, in der sich der Mensch zunehmend von der Natur entfernt.

Die Haltung von Tieren ist nicht in jeder Familie möglich und richtig. Durch den Trend zu Ganztagsschulen übernimmt die Schule neben Bildungsaufgaben eine wichtige Rolle in der emotionalen Entwicklung der Kinder. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen Ganztagsschulen neben der Aufgabe als Bildungsstätte auch Möglichkeiten bieten, Orte des interaktiven Zusammenlebens und der Freizeitgestaltung aufzusuchen.

Das Zusammensein mit Tieren bereitet Kindern große Freude, es fördert ihre Charakterbildung sowie die körperliche Entwicklung und schult ihr Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihrer Umwelt. Die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder wird u.a. gestärkt durch:

  • den Umgang mit anderen Lebewesen
  • das Erleben und Praktizieren von Natur- und Umweltschutz
  • die Bildung von Kameradschaft und Freundschaft mit dem Tier
  • die Übernahme von Verantwortung
  • das Meistern von Herausforderungen.

Im Umgang mit Tieren, z.B. durch Pflege und Fütterung, erlernen die Kinder Fähigkeiten, die zunächst nur auf das Tier gerichtet sind, später aber auch auf Kontakte zu Menschen übertragen werden können. So stellen Tiere indirekte Erziehungshelfer für Kinder dar.

In der Begegnung mit den Tieren haben die Kinder die Möglichkeit, sich dem Wohlbefinden der Tiere zu widmen und sich mit ihnen bzw. durch sie zahlreiche soziale Verhaltensweisen nebenbei „spielerisch“ anzueignen. Dazu zählen vor allem Verantwortungsbewusstsein, Mitgefühl, Pflichtbewusstsein, Einfühlungsvermögen, Zuverlässigkeit und viele weitere positive Eigenschaften, die unseren Kindern auch im Kontakt mit Mitschülern und anderen Mitmenschen zu Gute kommen. Die Tiere unterstützten die kindliche Entwicklung der Schüler und Schülerinnen ungemein, da sie verlässliche Gefährten sind, die den Kindern in schwierigen Lebenslagen und altersbedingten Krisen z.B. der Pubertät mit ihrer Nähe zur Seite stehen, Sicherheit geben und helfen diese zu überwinden. Die Kinder sehen in den Tieren jemanden, der immer für sie da ist, sie ernst nimmt und ihnen zuhört, jemanden, dem sie sich bedingungslos anvertrauen und offenbaren können und der ihnen Trost spendet. Weiterhin können unsere Kinder durch die Tiere lernen, Grenzen einzuhalten und Charaktereigenschaften zu akzeptieren.